Mit „Dancing in a Waking Dream“ schlägt Thomas Alexander Kolbe ein neues Kapitel in seiner künstlerischen Arbeit auf. Erstmals werden von ihm selbst gesungene Tracks zu einem festen Bestandteil seines Repertoires und verleihen seiner Musik eine unmittelbarere und persönlichere Dimension.
Gleichzeitig bündelt diese Veröffentlichung mehrere Stränge, die bereits zuvor in seiner Arbeit angelegt waren, nun jedoch deutlicher miteinander verwoben erscheinen: Ambient-Klangflächen, elektronische Formen wie Vocal Trance sowie Elemente traditioneller japanischer Musik und Instrumentierung. Ergänzt werden diese musikalischen Ansätze durch Texte, die sich auf kulturelle und spirit545454uelle Motive Japans beziehen und so eine künstlerische Ausrichtung sichtbar machen, die über einzelne Genres hinausgeht.
Diese Entwicklung geht auch mit einer Veränderung in der Autorenschaft einher. Für diese Veröffentlichung hat sich Kolbe entschieden, seine Gedanken selbst zu formulieren und damit einen direkteren Einblick in die Hintergründe und Erfahrungen zu geben, die dem Stück zugrunde liegen.
(Marilis Esmé)
„Dancing in a Waking Dream“ begann nicht als klare Idee. Es begann als ein Gefühl, zu dem ich immer wieder zurückkehrte, manchmal ohne es zunächst bewusst wahrzunehmen. Es tritt in stillen Situationen auf – beim Gehen, beim Sitzen oder einfach beim Zuhören ohne konkrete Absicht. Irgendwann verschiebt sich die Wahrnehmung. Nicht abrupt, nicht auf eine Weise, die Aufmerksamkeit einfordert, sondern so subtil, dass die übliche Trennung zwischen „innen“ und „außen“ an Schärfe verliert.
Ich kenne diesen Zustand gut. Er ist weder Schlaf noch gewöhnliches Wachsein. Es fühlt sich an, als würde man leicht hinter den eigenen Gedanken stehen und dennoch vollständig anwesend sein. Geräusche wirken näher. Der Raum erscheint tiefer. Die Zeit dehnt sich gerade so weit, dass sich Dinge ohne Druck entfalten können.
Die Küstenlinie in den ersten Zeilen ist nicht nur ein physischer Ort. Für mich ist sie eine Schwelle. Ein Punkt, an dem Dinge nicht mehr klar voneinander getrennt sind. Der Ozean, der Wald, die Anwesenheit einer anderen Person – all das beginnt sich auf eine Weise zu verbinden, die nicht konstruiert ist, sondern einfach vorhanden.
Dort mit einer anderen Person zu gehen, fügt eine weitere Ebene hinzu, die sich nur schwer erklären lässt, ohne sie zu stark zu vereinfachen. Es gibt eine Form von Nähe, die nicht auf Gespräch oder Definition angewiesen ist. Man nimmt die andere Person wahr, aber nicht auf eine Weise, die Spannung erzeugt. Es ist eher so, als würde man sich im selben Feld bewegen. Die Präsenz wird geteilt, nicht ausgehandelt.
Als ich „Your hand in mine, a quiet symmetry“ schrieb, entstand diese Zeile genau daraus. Nicht als Metapher, sondern als unmittelbare Beobachtung. In solchen Momenten entsteht ein Gleichgewicht, das nicht aktiv gehalten werden muss. Es trägt sich selbst.
Der Wald im zweiten Teil der Strophe ist ebenfalls nicht nur ein Bild. Ich habe Wälder immer als Orte erlebt, an denen sich Wahrnehmung fast unmittelbar verändert. Die Akustik, die Dichte des Raumes, die Bewegung des Lichts – all das beeinflusst, wie man hört und denkt. Es wird leichter, kleine Details wahrzunehmen, während zugleich der größere Zusammenhang präsenter wirkt.
Die Idee der Kami ist ohne viel Überlegung in den Text eingeflossen. Ich habe mich nicht bewusst entschieden, sie einzubauen. Das Wort beschreibt für mich etwas, das ich ständig erlebe. Nicht als Glaubenssystem, sondern als Wahrnehmungsweise. Das Gefühl, dass Präsenz nicht auf das beschränkt ist, was direkt sichtbar oder messbar ist. Dass bestimmte Orte eine eigene Form von Aufmerksamkeit tragen.
Im Stück wollte ich das nicht festlegen. Es sollte offen bleiben. Die Kami sind keine Figuren. Sie handeln nicht im klassischen Sinn. Sie sind einfach da, und genau dadurch verändert sich die Wahrnehmung der Situation.
Die musikalische Struktur folgt diesem Erleben sehr genau. Das ausgedehnte Intro ist für mich entscheidend. Ich brauche diese Zeit. Ohne sie würde sich der Rest nicht tragen. Wenn ich an solchen Stücken arbeite, bleibe ich oft lange in dieser Intro-Phase, bevor ich rhythmische Elemente zulasse. Es ist eine Art, mich an die Atmosphäre anzunähern, statt sie vorschnell zu formen.
Wenn der Beat schließlich einsetzt, empfinde ich ihn nicht als Hinzufügung. Er ist eher die Fortsetzung von etwas, das zuvor schon in weniger bestimmter Form vorhanden war. Die Bewegung wird hörbar, aber sie war bereits angelegt.
Die Vocals selbst einzusingen, hat den Prozess deutlich verändert. Es entsteht eine andere Verantwortung, wenn man diese Zeilen selbst trägt. Distanz ist kaum möglich. Ich habe festgestellt, dass ich eher reduzieren musste als hinzuzufügen. Jede Überzeichnung wirkte sofort unpassend. Die Stimme sollte im selben Raum bleiben wie die Flächen und Texturen, nicht davor stehen.
Die zweite Strophe bewegt sich noch etwas weiter nach innen. Der Tempel, die Laternen, das veränderte Zeitempfinden – all das hängt mit Erfahrungen zusammen, in denen äußere Struktur an Bedeutung verliert. Zeit ist dann nicht mehr etwas, das man misst, sondern etwas, in dem man sich bewegt.
Durch den gesamten Track zieht sich auch eine leise Form von Erinnerung. Nicht im erzählerischen Sinn, sondern als Fragment. Eindrücke, die sich nicht eindeutig einem bestimmten Moment zuordnen lassen. Als ich „Every memory feels borrowed now“ schrieb, ging es um dieses Gefühl, dass manche Erfahrungen sich nicht vollständig als „eigene“ anfühlen. Als würden sie durch einen hindurchgehen, statt bei einem zu bleiben.
Die Bridge ist vermutlich der offenste Teil des Stücks. Dort treten Fragen auf, auf die ich selbst keine Antworten habe. Ich habe sie bewusst stehen lassen, weil jede Antwort sie verkleinern würde. Die Zeile „Are we shadows in another life“ ist keine Aussage. Sie ist einfach eine Frage, die in diesem Zustand entsteht.
„Stay… stay… Don’t wake yet…“ ist ein Gedanke, den ich in solchen Momenten oft habe. Es gibt immer einen Punkt, an dem man bemerkt, dass dieser Zustand nachlässt. Und für einen kurzen Moment entsteht der Versuch, darin zu bleiben, obwohl klar ist, dass er sich nicht festhalten lässt.
Im letzten Teil weitet sich die Perspektive erneut, jedoch nicht durch zusätzliche Elemente. Es ist eher ein Öffnen. Das Persönliche löst sich ein Stück weit in etwas weniger Definiertes auf. Die Vorstellung, dass Verbindung, Erinnerung und Präsenz keine isolierten Ereignisse sind, sondern Teil einer größeren Kontinuität, die nur gelegentlich bewusst wird.
Wenn der Track ausklingt, sollte es sich nicht wie ein Ende anfühlen. Eher wie ein Heraustreten aus einem Zustand, der weiterhin existiert, nur nicht mehr im Fokus steht. Das Meeresgeräusch am Schluss ist kein Abschluss. Es ist eher eine Rückkehr zu etwas, das schon vor dem Stück da war.
Dieses Stück liegt sehr nah an der Art, wie ich bestimmte Wahrnehmungsmomente erlebe. Es ist keine Interpretation davon. Es ist der Versuch, ihnen so nah wie möglich zu bleiben.
„Dancing in a Waking Dream“ erscheint am 24. April 2026.
Hier folgt nun die deutsche Übersetzung der englischen Original-Lyrics. Am Ende dann das englische Original.
Songtext
[Erweitertes instrumentales Intro]
mmm…
mmm…
[Strophe 1]
Ich ging am Ufer entlang, wo die Stille atmet
Zwischen den Wellen und allem, was wir zurückließen
Deine Hand in meiner, ruhig im Einklang
Die Welt löst sich auf in ein traumgleiches Meer
Der Wald öffnet sich wie eine verborgene Tür
Weiches Moos unter uns, nichts wirkt unsicher
Deine Stimme ist warm in der kühlen Luft
Wie etwas Heiliges, das immer schon da war
Ich höre die Echos im uralten Wald
Wo unsichtbare Geister sich so bewegen, wie sie sollen
Sie sprechen nicht, und doch verstehe ich
Dieser Ort trägt mehr in sich, als wir je vermuteten
[Pre-Refrain]
Und jeder Schritt fühlt sich an, als wären wir schon einmal hier gewesen
Ein fernes Leben, das wir nicht übergehen können
In jedem Atemzug, in jedem Klang
Kehrt etwas Verlorenes zurück
[Refrain]
Wir tanzen in einem wachen Traum
Wo der Ozean in die Bäume übergeht
Kami wachen im stillen Licht
Und führen uns durch die endlose Nacht
Halte mich dort, wo die Geister verweilen
Wo Liebe nicht einfach vergeht
In dieser Welt zwischen dem Sichtbaren
Sind wir mehr, als wir je waren
[Instrumentalteil]
mmm… ahh…
[Strophe 2]
Wir fanden einen Tempel, in dem Laternen leuchten
Wo Zeit etwas wird, das wir nicht mehr greifen
Die Luft ist erfüllt von etwas Unbestimmtem
Eine leise Anziehung, die im Inneren nachklingt
Deine Augen tragen ein tieferes Blau
Wie ferne Wellen, die mich immer wieder rufen
Und in diesem Blick verliere ich mich selbst
Und werde still Teil von etwas Größerem
Ich denke an Zuhause, an Stimmen in der Ferne
An Nächte, die treiben und sich langsam verändern
Eine leise Sehnsucht, gehüllt in zerbrechliches Licht
Die zu Wärme wird, wenn du bei mir bist
[Pre-Refrain]
Und jeder Traum beginnt sich so wirklich anzufühlen
Wie etwas, das ich endlich berühren kann
In jedem Schritt, in jedem Klang
Kehrt alles Verlorene zurück
[Refrain]
Wir tanzen in einem wachen Traum
Wo der Ozean in die Bäume übergeht
Kami wachen im stillen Licht
Und führen uns durch die endlose Nacht
Halte mich dort, wo die Geister verweilen
Wo Liebe nicht einfach vergeht
In dieser Welt zwischen dem Sichtbaren
Sind wir mehr, als wir je waren
[Bridge]
Sind wir Schatten aus einem anderen Leben
Sind wir Echos, getragen von der Flut
Jede Erinnerung wirkt jetzt wie geliehen
Und doch führt sie mich immer wieder hierher
Ich höre Stimmen im fernen Regen
Die leise aus einer verborgenen Ebene rufen
Wir waren nie allein
Und jede Stille beginnt sich zu bewegen
Bleib… bleib…
Wach noch nicht auf…
[Build-Up]
[Finaler Refrain]
Wir tanzen in einem wachen Traum
Wo der Ozean in die Bäume übergeht
Kami wachen im stillen Licht
Und führen uns durch die endlose Nacht
Halte mich dort, wo die Geister verweilen
Wo Liebe nicht einfach vergeht
In dieser Welt zwischen dem Sichtbaren
Sind wir mehr, als wir je waren
Wir treiben durch eine heilige Flut
Wo Vergangenheit und Zukunft sich begegnen
Jede Welle wird ein Teil von dir
Und jeder Atem beginnt von Neuem
Im Wald, im verblassenden Blau
Führt jeder Weg wieder zurück zu dir
Und wenn dieser Traum vergeht
Werde ich dich dennoch hier gefunden haben
[Outro]
mmm…
mmm…
Original-Lyrics
[Extended Instrumental Intro]
mmm…
mmm…
[Verse 1]
I walked the shoreline where the silence breathes
Between the waves and all the things we leave
Your hand in mine, a quiet symmetry
The world dissolves into a dreamlike sea
The forest opens like a hidden door
Soft moss beneath us, nothing feels unsure
Your voice is warm inside the cooling air
Like something sacred always waiting there
I hear the echoes through the ancient wood
Where unseen spirits move the way they should
They do not speak, but still I understand
This place remembers more than we have planned
[Pre-Chorus]
And every step feels like we’ve been here before
A distant life we can’t ignore
In every breath, in every sound
Something lost is being found
[Chorus]
We are dancing in a waking dream
Where the ocean folds into the trees
Kami watching from the quiet light
Guiding us through endless night
Hold me close where the spirits stay
Where love does not just fade away
In this world between the seen
We are more than we have been
[Instrumental Break]
mmm… ahh…
[Verse 2]
We found a temple where the lanterns glow
Where time is something we no longer know
The air is thick with something undefined
A gentle pull that lingers in the mind
Your eyes reflect a deeper kind of blue
Like distant waves I’m always drawn into
And in that gaze I lose the sense of me
Becoming part of something quietly
I think of home, of voices far away
Of nights that drift and slowly rearrange
A quiet longing wrapped in fragile light
That turns to warmth when you are by my side
[Pre-Chorus]
And every dream begins to feel so real
Like something I can finally feel
In every step, in every sound
All the lost is coming round
[Chorus]
We are dancing in a waking dream
Where the ocean folds into the trees
Kami watching from the quiet light
Guiding us through endless night
Hold me close where the spirits stay
Where love does not just fade away
In this world between the seen
We are more than we have been
[Bridge]
Are we shadows in another life
Are we echoes carried through the tide
Every memory feels borrowed now
Still it leads me here somehow
I hear voices in the distant rain
Calling softly through the hidden plane
Not alone, we never were
Every silence starts to stir
Stay… stay…
Don’t wake yet…
[Build-Up]
[Final Chorus]
We are dancing in a waking dream
Where the ocean folds into the trees
Kami watching from the quiet light
Guiding us through endless night
Hold me close where the spirits stay
Where love does not just fade away
In this world between the seen
We are more than we have been
We are drifting through the sacred tide
Where the past and future coincide
Every wave becomes a part of you
Every breath begins again as new
In the forest, in the fading blue
Every path keeps leading back to you
And if this dream should disappear
I will still have found you here
[Outro]
mmm…
mmm…
Credits
Written, composed, produced and performed by Thomas Alexander Kolbe